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Mittwoch, 2. Oktober 2024

Perfect Sense, Parts 1 & 2

Autor: Waters

Part 1 Dauer: 4:16                                                                                                         Part 2 Dauer2:50

First releaseRoger Waters - Amused to Death, 7. September 1992

Dieser Song aus dem 1992er Roger Waters Album "Amused to Death" scheint Herrn Waters wichtig zu sein, hat er ihn doch auf seine Tourneen "In the Flesh" von 1999-2002 und "The Dark Side of the Moon" von 2006-2008 mitgenommen. Ebenso auf die Werkschau ""A Flickering Flame - The Solo Years Vol. 1" von 2004 schaffte es der Song, allerdings in der Live-Version der "In the flesh" Tour.

Auf dem Studio-Album wurde der Song in 2 Teile unterteilt. Der erste Teil enthält die famose Phrase aus dem "2001-Odysse im Weltraum" Film:"please stop, Dave..." etc. Diese, sicherlich als Seitenhieb an David Gilmour gedachte, Phrase wurde aber im Original-Mix von 1992 rückwärts eingespielt. Es ging wohl auch um die Copyrights an Stanley Kubrick. Live wurde der Text allerdings richtigrum eingespielt. 

Im exzellenten (!) Remix von 2015 von James Guthrie, wurde das Intro nun auch richtigrum eingebaut. Textlich geht es in dem Song grundsätzlich um den Kapitalismus und dass sich eigentlich alles ums Geld dreht. Da der Song 1992 - also vor der Einführung der Einheitswährung "Euro" entstanden ist, wirkt der Text heute irgendwie veraltet, wenn Roger von "it all makes perfect sense, expressed in Dollars and Cents, Pounds, Shillings and Pence" singt. Natürlich hat sich an der Botschaft nichts geändert. Der Lead-Gesang von P.P. Arnold ist genial und erinnert etwas an "Great Gig in the Sky", auch wenn er diesmal mit Text versehen ist:"and the Germans killed the Jews and the Jews killed the Arabs and the Arabs killed the hostages, and that is the news", Dieser Text scheint 2024 genauso relevant wie vor 30 Jahren...

Teil 2 des Liedes beschreibt einen Kriegsangriff, der live im Radio oder Fernsehen übertragen wird. Dafür hat Roger Waters bekannte NBA-Kommentatoren der USA engagieren können, die die Kriegsszene wie ein Basketballspiel kommentieren. Dies wurde auch live auf der Bühne gut in Szene gesetzt indem ein U-Boot in das jeweilige Stadion wo das Konzert stattfand einfuhr und Roger Waters auf den Knopf drückte.

Weitere Veröffentlichungen: 
2002 Roger Waters - In the flesh live 2CD live März-Juni 2000 USA (7:26)
2002 Roger Waters - In the flesh live DVD live 27. Juni 2000 Oregon, USA
2006 Roger Waters - In the Flesh live 2CD&DVD re-edition
2010 Roger Waters - The Roger Waters Collection Box (Amused to Death & In the Flesh)
2015 Roger Waters - Amused to Death CD/Bluray & 2LP Remixed (5.1 / Stereo) & Remastered 2015 

Freitag, 23. April 2021

The most beautiful girl in the world

Autor: Waters
Dauer: 6:09
First release: Is this the life we really want? LP, CD 2. Juni 2017



"The Most Beautiful Girl in the World" ist ein Track des letzten Roger Waters Solo-Albums mit dem sperrigen Titel "Is this the life we really want?". Der Song hat einige Parallelen zu "Watching TV" von "Amused to Death". In beiden Songs wird der sinnlose, von den "Mächtigen" verursachte, Tod eines Mädchens besungen.

Der Song basiert auf einer Piano-Akkordfolge. Sofort werden Erinnerungen an "The Final Cut" wach. Nigel Godrich platziert in seiner Produktionsarbeit gekonnt "Pink Floyd" - Trigger. Obwohl es sich um einen der unbekannteren Tracks auf dem Album handelt, der auch live nicht vorgetragen wurde, handelt es sich um einen sehr schönen und romantischen Song. Einige Bezüge auf ältere Pink Floyd Texte, wie z.B. "take a fresh grip on the crucible rune" (auf The Final Cut:"take a fresh grip on you bullet proof Mask"). Auch die "Ivory Towers" hatte Waters schon in "Towers of Faith" (When the wind blows) besungen.

Aber besonders Textzeilen wie 

Christopher Robin says "Alice, go home now. They're no longer changing the guard."

zeigen wie gekonnt Waters Texte schreibt. Die obige Zeile bezieht sich auf den britischen Erlass, dass die berühmte Attraktion des "changing of the guards" am Buckingham-Palace seit ca. 5 Jahren nicht mehr stattfindet. Wir leben nicht mehr im "Schlaraffenland" oder "Wunderland", will Cristopher Robin (A.A. Milne) - der Freund von "Winnie The Pooh" - Alice (im Wunderland) mitteilen. Dass die zeit der Romantik und der "fairy Tales" vorüber ist, dass in der Realität auch schöne Mädchen dem Kapitalismus zum Opfer fallen. 

Roger Waters und Lucius

In diesem Song zeigt sich Roger Waters' Stimme gegen Ende sehr brüchig, was dem Song Drama verleiht. Die Coda des Songs ist dagegen eine Erinnerung daran, dass jeder sinnlose Tod auch uns angeht:

Home
Home, I'm coming home
I'm the life that you gave
I'm the children you save
I'm the promise you made
I'm the woman you crave
So hold on
I'm coming home

Der wunderschöne Gesang von "Lucius" gegen Ende des Songs gibt dem Song eine weitere melancholische Note.
Schade, dass "The Most Beautiful Girl in the World" nie live vorgetragen wurde. Somit bleibt die Album-Version die bisher Einzige.

Montag, 7. Oktober 2019

Lost Boys Calling

Autor: Morricone, Waters
Dauer: 5:19
First release: La leggenda del pianista sull'oceano (OST); 1998


EU Soundtrack 1998
1998 meldete sich Roger Waters nach 6 jähriger Pause mit einem neuen Song zurück. Dieser enstand mit keinem geringerem als Ennio Morricone höchstpersönlich. Dieser hatte die Filmmusik zum Kinofilm "La leggenda del pianista sull'oceano" des italienischen Regisseurs Giuseppe Tornatore geschrieben und benötigte noch ein Titellied dafür. Die Wahl fiel auf Roger Waters, der auch prompt einen eigenen Text zur Melodie beisteuerte. Als letzten Schliff konnte auch noch ein Ausnahmegitarrist wie Eddie (in den Credits Edward) Van Halen engagiert werden, der ein schönes Gitarrensolo beisteuerte.

Es handelt sich hierbei um eines der schönsten Lieder, die Waters in den letzten 20 Jahren veröffentlicht hat. Elegant schafft er es im Text Bezüge auf die Filmhandlung mit seinen eigenen Themen zu verknüpfen. Meint er etwa die Ankunft der Royal Fusiliers Company C in Anzio, wenn er von 

"In this dead calm beneath the waves
I can still hear those lost boys calling"

singt? Oder handelt es sich um jene Boys, die er auf "The Wall" gerne Back Home gebracht hätte?
Mit Sicherheit meint er aber seinen Vater als er singt:

"We left them there when they were young
The men were gone until the west was won
And now there's nothing left but time to kill
You never took us fishin' dad and now you never will"


Auf jeden Fall ist der Song ein Roger Waters - Klassiker!

US Soundtrack 1999
Vom Soundtrack existieren zwei verschieden Versionen. Einer für den europäischen Markt (1998 erschienen, 31 Tracks) und einer für den US-Markt (1999 erschienen, 21 Tracks). Kurioserweise befinden sich auf beiden verschiedene Versionen des Waters Songs. Alle wurden von Patrick Leonard (siehe "Amused to Death" und "A Momentary lapse of reason") produziert.

EU-Version 1998: hat einen deutlichen akustischen Gitarrenpart, stärker in den Vordergrund gemixte Background-Sängerinnen, stärker in den Vordergrund gemixtes Orchester und die Gitarrenparts von Eddie Van Halen sind spärlicher. Besonders auffällig ist, dass Waters hier im Refrain in der Dritten Person singt:


"And in Mott street in July
When she hears those seabirds cry
She holds the child, the child in the man"

US-Version 1999: Während der Gesang von Waters ebenso eine unterschiedliche Aufnahme zu sein scheint, ist besonders das Gitarrensolo von Eddie Van Halen in der US-Version viel stärker in den Vordergrund gemixt, scheint sich aber auch in Melodie und Intensität zu unterscheiden. Ausserdem ist Waters' Stimme in der zweiten Strophe "gedoppelt", eigentlich eines seiner Markenzeichen. Hier singt Waters den Refrain in der Ersten Person:

"And in Mott street in July
When I hear those seabirds cry
I hold the child, the child in the man"

Von diesem Song existieren sogar noch zwei weitere öffentliche Versionen! 
2002 veröffentlichte Roger Waters die Demo-Version des Songs auf seiner Compilation "Flickering Flame - The Solo Years Vol. 1", auf der leider kein Vocal-Pitch zum Einsatz kommt, den Waters' Stimme ist hier an einigen Stellen nur schwer erträglich. Als Orchester-Arrangeur wird Rick Wentworth angegeben.






2008 wurde die erste Version (EU) auf der Compilation "We all love Ennio Morricone" veröffentlicht, allerdings um ca. 20 Sekunden durch ein Orchester-Outro verlängert.




Weitere Veröffentlichungen: 
1999 The Legend of 1900 (OST) (US-Version)
2002 Roger Waters - Flickering Flame: The Solo Years Volume 1 (original demo) (4:05)
2008 We all love Ennio Morricone (Compilation) (5:37)


Freitag, 12. April 2019

Late home tonight, Part 1 & Part 2

Autor: Waters
Dauer: part 1: 4:00
            part 2: 2:13
First releaseRoger Waters - Amused to Death, 7. September 1992

2015

Late home tonight ist in zwei Parts aufgeteilt, obwohl die beiden Teile eine in sich geschlossene Kurzgeschichte im Erzählstrang von Amused to Death darstellen.
Die beiden Tracks erzählen von einem Bomber-Piloten aus Cleveland, der unterwegs auf einer Mission eine Bombe abwirft. Zu Beginn des Songs erfahren wir von seiner Mutter, die zu Hause mit einer Mischung aus Stolz und Angst auf die Rückkehr ihres Sohnes wartet.
Waters zeichnet ein romantisches Bild dieser Mutter, die Natur und Garten geniesst, während ihr Sohn in einem F1-Bomber und einem Lächeln auf dem Gesicht Befehle ausführt:"The beauty of military life, no questions only orders and flight only flight."
Auch hier spielt Roger Waters mit der medialen Ausschlachtung des Krieges, wie bereits in "Bravery of being out of range". Nur hier beschäftigt er sich mehr mit den medial konstruierten "Kriegshelden", wie eben unseren Bauernjungen aus Cleveland.
Am Ende von Part 1 schwenkt die Erzählung zu einer Ehefrau aus Tripolis, die bei sich zu Hause in der Küche steht, während der Soldat aus Cleveland seine Bombe abwirft. Hier scheint es inhaltlich eine Verbindung/Verweis/Cameo zu "Deja Vu" von 2017 zu geben. Auch hier beeindruckende Studiotechnik, wenn die Bombe während einer Demo abgeworfen wird!
Der martialische Drumpart dieses Teils wurde als Basis des Rhythmus für "It's a miracle" verwendet. Während die Stimme des "Arabischen Leaders" von Roger Waters selbst stammt. 

Part 2 startet nach dem Abwurf der Bombe, als der Soldat sich beruhigt und die Medien über die sensationellen Bilder der Explosion jubilieren:".. clear the satellite link, check the fax machine, hold the lead story boys, there's some great pictures coming in."
Nun wird der Pilot als Held gefeiert "Hey boy, you're a hero. Take this cigar.", sogar seine Mutter wird von der Presse interviewt.
Die "Kurzgeschichte" endet mit der Mutter des Soldaten, die in aller Ruhe auf die Rückkehr ihres Sohnes wartet.
1992

Musikalisch gesehen ist Part 1 ein eher untypischer "Latino-Rhythmus" auf akustischer Basis, der für Roger Waters stilistisch Neuland war. Die Wahl des eher fröhlichen Musikstils zu diesem Text hat eine gehörige Portion Zynismus. Part 2 hingegen ist primär orchestral aufgebaut und sehr dramatisch. Part 2 beschäftigt sich, wie oben erwähnt, mit dem "Aftermath" der Bombe. 

Studiomusiker bei Late Home Tonight sind Andy Fairweather Low (Guitars, Backing Vox), James Johnson (Bass), Graham Broad & Luis Conte (Drums, Percussion) and Steve Sidwell (Cornet). Michael Kamen hat, wie auch auf dem Rest des Albums, das National Philharmonic Orchestra Limited dirigiert.

Der Song wurde nie live vorgetragen. Die remixte Version von 2015 weist keine grossen Veränderungen auf.

Weitere Veröffentlichungen: 
2010 Roger Waters - The Roger Waters Collection Box (Amused to Death)
2015 Roger Waters - Amused to Death CD/Bluray & 2LP Remixed (5.1 / Stereo) & Remastered 2015 

Samstag, 1. Dezember 2018

It's a miracle

Autor: Waters
Dauer: 8:30
First releaseRoger Waters - Amused to Death, 7. September 1992


Cover 2015
It's a miracle ist einer der letzten Songs des Top Solo-Albums "Amused to Death" von Roger Waters. In gewohnt zynischer Art rechnet Waters mit der Ungerechtigkeit unseres Systems genauso ab, wie mit Andrew Lloyd Webber. Mit diesem gab es bekanntlich einen Disput, in welchem Webber vorgeworfen wurde, einige Akkordfolgen von Pink Floyd's Echoes für "Das Phantom der Oper" geklaut zu haben. Tatsächlich sind sich die beiden Werke ähnlich.
Ausserdem ähnelt der Song thematisch dem Dark Side of the Moon Song "Us and Them", geht es doch um Differenzen zwischen Arm und Reich und Macht und Ohnmacht, Menschen die gegen das System handeln. 
Das "It's a miracle" bezieht sich auf Menschen, die unerwartet Gutes tun: "a doctor in Manhattan, saved a dying man for free, it's a miracle", oder auf "a Farmer in Ohio has just repaid a loan".
Auch auf die Wunder der Globalisierung wird eingegangen "They got Pepsi in the Andes, they got McDonalds in Tibet".


Live-Album 2002
Der Song wird von einem Piano, gespielt von Patrick Leonard, getragen. Die Gitarre wird von keinem geringeren als Jeff Beck gespielt, während am Ende des Tracks Jeff Porcaro seine Trommelkünste vollführt. Waters hatte für die Background Vocals tatsächlich Jon Joyce, Stan Laurel(?) und Jim Haas engagiert, dieselben Background Sänger der Pink Floyd The Wall Tour von 1980-81.
Der Song beginnt mit recht psychedelischen Elementen, und auch die letzten 2 Minuten der instrumentalen Coda erinnern stark an Pink Floyd'sche Glanzzeiten. Der finale Rhythmus und Gitarrenpart sind sicherlich ein musikalischer Höhepunkt des gesamten Albums. Roger Waters erwähnte in einem Interview, dass der Rhythmus von "It's a miracle" auf einer Jam Session des Tracks "Late Home Tonight" basierte, einem anderen Track des Albums, der mit einem politischen Marschrhythmus endet.

Roger Waters spielte den Song auch auf seiner In the Flesh Tour 1999-2002, wobei er sich stark an das Studio-Original hielt. 
2015 erschien die remixte Stereo- und 5.1-Version. Für diese wurde sogar ein Grammy gewonnen! In der remixten Version ist die Stimme von Roger Waters stärker in den Vordergrund gemixt.

Weitere Veröffentlichungen: 
2002 Roger Waters - In the flesh live 2CD live März-Juni 2000 USA (8:12)
2002 Roger Waters - In the flesh live DVD live 27. Juni 2000 Oregon, USA
2006 Roger Waters - In the Flesh live 2CD&DVD re-edition
2010 Roger Waters - The Roger Waters Collection Box (Amused to Death & In the Flesh)
2015 Roger Waters - Amused to Death CD/Bluray & 2LP Remixed (5.1 / Stereo) & Remastered 2015 



Samstag, 16. Dezember 2017

Deja Vu

Autor: Waters
Dauer: 4:27
First release: Is this the life we really want? LP, CD 2. Juni 2017

RW mit Touring Band 2017 

Roger Waters' Zynismus kennt 2017 keine Grenzen mehr. Kein Freund von Religionen, die seiner Meinung nach, gefährliche Gewalt-Motivatoren sein können, liefert er hier einen Text, der alle Fundamentalisten dieser Welt schockieren dürfte. "If I had been god" singt er, und dass er alles viel besser machen würde. Er wäre sicher nicht so blöd gewesen nur einen einzigen Sohn zu zeugen und den dann auch noch von den Römern killen zu lassen. Ausserdem hätte er - und hier ein kleines bisschen Selbst-Ironie - die Venen im Gesicht so arrangiert, dass sie gegen den Alkohol resistenter wären. Im Hintergrund hört man ihn hämisch lachen.

Déjà Vu war der zweite vorab veröffentlichte Song des Roger Waters Solo-Albums Is this the life we really want? und eröffnet das Album (nach dem Intro "When we were young"). Waters stellte ihn bereits vor Veröffentlichung des Albums am 9. Mai 2017 in der Late Show with Steven Colbert vor. Der Song war hier bereits identisch mit der Albumversion; komplett mit Orchester und Sound-Effekten.
Tatsächlich zirkulierte der Song bereits seit der Roger Waters The Wall Tour 2010-2013. Zu dieser Zeit spielte Waters den Song z.B. bei den Sound-Checks seiner Wall-Shows. 
Der damalige Arbeitstitel variierte zwischen "If I had been god (Lay down Jerusalem)" oder "If I were a drone". 
Roger Waters im Europäischen Parlament 2012
Waters spielte den Song unter dem erstgenannten Titel sogar im Europäischen Parlament 2012, um auf die BDS-Kampagne in Israel/Palästina hinzuweisen, daher wohl auch der Untertitel "Lay down Jerusalem", von dem er (zum Glück) für die Albumversion Abstand genommen hatte. Auch jene Zeilen, die sich genau um den Israelkonflikt drehten, wurden aus dem Lied genommen. Auch hier wurde die Songdauer auf dem Album um ungefähr die Hälfte reduziert, wie bereits bei "Broken Bones" aka "Safe and Sound".

Im zweiten Teil des Songs versucht Waters sich vorzustellen eine Drone zu sein. Eine Drone interessiert es nicht wer da grade in der Küche steht, die bombardiert wird. Mit "electronic eyes" ("The Final Cut") scannt sie das Gelände und überrascht die nichtsahnende Zivilbevölkerung.
Ob die hier zitierte "woman on a stove, making rice, baking bread or just boiling down some bones" dieselbe aus "Late Home Tonight pt. 1" aus "Amused to death" ist, bleibt offen. Diese wird allerdings auch ganz überraschend in der Küche von einer Bombe getroffen.
Effektvoll wird auch hier auf eine Explosion zurückgegriffen, wie in oben genannten Lied von 1992, diesmal aber aus der Perspektive der Bombe. 
Übrigens sind Explosionen auf den Alben von Roger Waters/Pink Floyd beinahe schon zu einem Erkennungsmerkmal geworden (Dark side of the moon, The Wall, The Final Cut, Radio KAOS, Amused to death). 
Gegen Ende des Song schweift Waters nach einigen sehr gelungenen Hinweisen auf die Dekadenz unserer Zeit ("The buffalo's gone, the Bankers get fat, the mountaintop's flat, etc...")
in ein, so scheint es, sehr persönliches Thema ab, das durch die Zeile "and it feels like Deja Vu" mit dem politischen Inhalt verbunden wird. Waters hatte ja in den letzten Jahren ziemliche Beziehungsprobleme, die ihn auch mit seiner Ex vor ein Gericht geführt hatten und Roger Waters gezwungen war zu "counting the cost of a love that got lost"...
Eine Drohne begleitet Deja Vu Live auf der Us+Them Tour

Musikalisch beginnt das Lied mit akustischer Gitarre und dem Heartbeat des Intro's, sowie einigen tickenden Uhren. Der Akkord ist typisch Waters und erinnert stark an die Akkordfolge von Mother (The Wall), aber auch einiges von "Pros and Cons of Hitchhiking". Auffallend sind der trockene, aber für Waters passende Bass & Schlagzeug-Sound. Die Produktion von Nigel Godrich ist im Vergleich zu den vorigen Roger Waters Alben viel schlichter gehalten, aber sehr gelungen. Auch die Streicherarrangements von David Campbell sind passend und nicht aufdringlich.

Am Ende des Songs ertappe ich mich immer wieder dabei die Worte "Mother, did it need to be so high?" zu singen. Die Melodie von Deja Vu wird übrigens in der Liebes-Trilogie "Wait for her/Oceans apart/Part of me died" am Ende des Albums wiederholt.

Der Song war fixer Bestandteil der Us + Them Tour, wobei live ein Gitarrensolo von
Jonathan Wilson
an der Slidegitarre und die Bridge mit "Lay down Jerusalem" hinzugefügt wurde. 
Auf der Veröffentlichung des Live-Albums der "Us + Them" Tour, wurde der zweite Teil des Songs als "Deja Vu (Reprise)" als Studioversion veröffentlicht und im Film als Abspann-Musik verwendet. 
Auf der "This is not a Drill"-Tour von 2022 spielte Roger Waters den kompletten Song (inkl. Reprise und "Jerusalem"-Zeile).

Der Song wurde auch als Audio-Video online veröffentlicht.


Wiederveröffentlichungen:
Roger Waters - Us + Them Live (2018) DVD, Bluray, CD, LP 
Roger Waters - Us + Them Live (2018) (reprise) (...)







Freitag, 26. Februar 2016

Don't leave me now

Autor: Waters
Dauer: 4:17
First releaseThe Wall, 30. November 1979


Is there anybody out there? The Wall Live 1980-81

Don't leave me now aus dem Album The Wall ist einer jener Tracks, der bereits fertig war, als Roger Waters das Demo dem Rest der Band vorstellte. Spätestens seit der "The Wall Immersion Box" aus dem Jahr 2012 kann man sich ganze 4(!) verschiedene Demo-Aufnahmen des Songs anhören, die sich im Grunde lediglich darin unterscheiden wie stark Keyboards oder Gitarre im Vordergrund sind. 
Erst die Albumversion beinhaltet dann auch Einspielungen verschiedener US-TV-Shows, also jene "Musique Concrete" Elemente, die Pink Floyd bereits seit Beginn ihrer Discographie in ihre Alben einbauten. Besonders erwähnenswert ist hier die Einspielung des Sportkommentators Chick Hearn, der das NBA Spiel der LA Lakers gegen die Chicago Bulle am 16. Oktober 1979 kommentiert. Diese Idee wird Roger Waters auf seinem 1992-Album "Amused to Death" im Song "Perfect Sense part 2" wiederholen. 
Ein weiteres wichtiges Element dieses Songs ist das schwere Atmen, welches als zentrales Rhythmus-Element fungiert. Auch hier bedient sich Roger Waters an einer Idee, die er schon 1970 auf dem Soundtrack-Album "Music from The Body" mit Ron Geesin verwendete. Das zentrale Bestandteil des Stückes "Body Transport" bestand aus Atmung.

Wenn man so will ist Don't leave me now das einzige Überbleibsel der psychedelischen Pink Floyd im Jahr 1979. Der bewusst weinerliche und "zeternde" Gesang von Roger Waters widerspiegelt das Leid und die "Opferrolle" von Pink. An dieser Stelle der Geschichte von The Wall beklagt der Rockstar Pink, dass ihn seine Frau verlassen hat. 
Pink kann nicht verstehen, dass diese Frau ihn verlassen hat, obwohl er sie anscheinend ganz schrecklich behandelt hat:

 "I need you, babe / To put through the shredder / In front of my friends" oder 
"How could you go? / When you know how I need you / To beat to a pulp on a Saturday night"


Die Frau als Mensch...
In diesen Zeilen thematisiert Waters sehr geschickt ein Tabu-Thema des Rock und zwar häusliche Gewalt gegen Frauen. 1979 wurde dieses Phänomen kaum thematisiert und man kann davon ausgehen, dass dies der erste Text ist, der sich mit diesem Thema beschäftigt. Der Verlust seiner Ehefrau (auch hier gibt es klare Parallelen zu Waters' Privatleben) ist einer der Ziegel, die Pink's Mauer aufbauen.


verwandelt sich in eine männerfressende Vagina
Im Film von Alan Parker "Pink Floyd - The Wall" 1982 wird dieser Song von verschiedenen Filmszenen mit Pink's Frau untermalt, wo unter anderem auch klar wird, dass diese ihn betrogen hat, als Pink auf Tournee war. Der Song folgt in Album und Film auf den Gewaltausbruch von One of my turns und dem darauf folgenden Telefonanruf von Pink an seine Frau, bei welchem ein unbekannter Mann am Telefon antwortet...

Der Song wurde natürlich auf allen Live-Inkarnationen von The Wall vorgetragen und immer von Waters selbst gesungen. In Film und Live-Show gab es stets eine angsteinflößende Zeichentrickfigur bzw. Puppe, die eine Mischung aus Frau (flammende Lippen), Gottesanbeterin und Vagina war. Für die Tour 2010-2013 bekam sie während der Live-Darbietung eine zentrale Rolle als bedrohliche Riesenpuppe auf der linken Seite der Mauer, während auf der rechten Seite der Mauer ein Foto einer weinenden Frau gezeigt wurde. Dies wohl um die Ambivalenz des "Gewalttäters" Pink aufzuzeigen... "remember the flowers I sent? I need you babe!" 
Linke Mauer: Monster-Frau


Rechte Mauer: Opfer-Frau










Die Live-Darbietungen unterscheiden sich kaum von der Studioversion. Ebenso war die B-Seite der single "Run like Hell" lediglich die Albumversion des Songs.


Weitere Veröffentlichungen: 
1980 Pink Floyd - Run like Hell / Don't leave me now 7" single

1982 Alan Parker - Pink Floyd's The Wall VHS
1990 Roger Waters - The Wall Live in Berlin; live 21. Juli 1990 Potsdamer Platz Berlin; 2LP, 2CD, VHS (5:11)
1992 Pink Floyd - Shine On CD Box: remastered 1992 
1992 Pink Floyd - The Wall 2CD: remastered & repackaged 1992
2000 Pink Floyd - Is there anybody out there? - The Wall Live 1980-81; live 07. August 1980(4:08)
2003 Alan Parker - Pink Floyd's The Wall DVD; 5.1 mix
2003 Roger Waters - The Wall Live in Berlin; live 21. Juli 1990 Potsdamer Platz Berlin; 5.1 mix; DVD


2007 Pink Floyd - Oh By The Way CD Box: Mini vinyl replica; remastered 2007
2010 Roger Waters - The Wall Live in Berlin Special Edition; live 21. Juli 1990 Potsdamer      Platz Berlin; 5.1 mix; DVD & 2CD
2011 Pink Floyd - Discovery CD Box: new packaging; remastered 2011
2011 Pin
k Floyd - The Wall Experience Edition 3CD; remastered 2011
2011 Pink Floyd - The Wall 180gr. 2 LP Edition; remastered 2011
2011 Pink Floyd - The Wall Immersion Box Set (incl. The Wall remastered 2011; Is there anybody out there? remastered 2011 / RW Demo excerpts (0:28 & 0:13)Band Demo programme 2 (4:35); Band Demo programme 3 (4:05)

2011 Pink Floyd - The Wall Singles Box
2015 Roger Waters - The Wall A soundtrack to the film 2CD, 3LP (4:13)
2015 Roger Waters - Th Wall A film by Roger Waters and Sean Evans DVD, BluRay, 2 BluRay