Samstag, 22. Oktober 2016

The Fletcher Memorial Home

Autor: Waters
Dauer: 4:09
First release: The Final Cut,   21. März 1983

Waters 2014 in Anzio mit Denkmal an seinen Vater

The Fletcher Memorial Home ist jener Track, der das Album The Final Cut auf diversen Compilations von Pink Floyd vertritt.  Dies obwohl das Album einige musikalisch weitaus interessante Momente aufweist. Allerdings ist der Track zentral was das Konzept und die Botschaft des Albums betrifft. Das Album entstand zur Zeit der Falkland-Kriege zwischen England und Argentinien. Dies inspirierte Roger Waters zu einem Konzeptalbum gegen den Krieg und machte The Final Cut zu einem eigenständigen Album, weg von der ursprünglichen Idee ein Soundtrack-Album des Films Pink Floyd - The Wall, der 1982 in den Kinos erschien, zu machen.

In The Fletcher Memorial Home schlägt Waters vor alle Tyrannen, Kriegsherren und Diktatoren dieser Welt in ein Sanatorium zu stecken, wo sie ihre wahnsinnigen Ideen diskutieren können und niemandem mehr Leid zufügen können. Sie können sich in CCTV (closed curcuit TV)  selbst zelebrieren, ohne dass die Menschheit es mit ansehen muss.


Take all your overgrown infants away somewhere
And build them a home, a little place of their own.
The Fletcher Memorial
Home for Incurable Tyrants and Kings.


Film-Ausschnitt
Filmausschnitt
Somit tummeln sich Margreth Thatcher, Winston Churchill, Adolf Hitler, Napoleon Bonaparte, Begin, Ronald Reagan, Haigh, Paisly, Brezhnev und sogar McCarthy und Nixon in diesem fiktiven Sanatorium. Ein anklagender, zynischer und bitterböser Text, der sehr gut ist, aber aufgrund der zahlreichen politischen Namen die heute zum Teil in Vergessenheit geraten sind leider einiges seinem politischen Bezug  verloren hat. 

Der Titel des Songs ist zugleich der Titel des fiktiven Sanatoriums in welchem oben genannte Herrschaften untergebracht werden. Der Name Fletcher Memorial Home bezieht sich auf den Namen von Eric Fletcher Waters, Vater von Roger Waters, der in Anzio (I) während des 2. WK gefallen war. Diese Geschichte wird sehr gut im Film "Roger Waters - The Wall" von 2014 erzählt.

Musikalisch orientiert sich das Lied eher an klassischer Musik, und eher mit Waters' Songs wie "When the Tigers broke free" oder "Bring the boys back home" vergleichbar, als mit typischen Pink Floyd Sounds.  Das Lied ist somit in einer Linie mit den orchestralen Songs, welche im Rahmen des Filmsoundtracks von The Wall aufgenommen wurden. Passend dazu ist Waters' Gesang sehr dramatisch.

Tatsächlich besteht das Lied prinzipiell aus der von Michael Kamen arrangierten Orchestrierung und einem Piano, ebenfalls von Kamen gespielt und einem bluesigen Gitarrensolo, das durch David Gilmours typischen Sound  zumindest in diesem Teil des Songs typischen Pink Floyd - Sound in Erinnerung ruft. Unterstützend hier auf jeden Fall der typische verschleppte Beat von Nick Mason.

The Fletcher Memorial Home war zudem auch Teil der The Final Cut-Video-EP. 4 Tracks des Albums wurden in einen Kurzfilm verwandelt. Regisseur des Films war Willie Christie, Roger Waters' damaliger Schwager. Der Film setzt den Text sehr gut um und stellt das oben erwähnte Sanatorium dar, wo abgehalfterte Staatsmänner und -frauen von Pflegern betreut werden und sich in hitzige Diskussionen einlassen.

Waters hat den Song auf seiner Tour 2006 - 2007 jeden Abend vorgetragen. Live schien an der damaligen Performance allerdings lediglich das Gitarrensolo gewesen zu sein, kamen die Streicher doch vom Band und Waters wird vorgeworfen damals Playback gesungen zu haben. 



Weitere Veröffentlichungen: 


1983 Pink Floyd - The Final Cut Video EP, VHS

2001 Pink Floyd - Echoes The Best of... 2CD. remastered 2001 (4:07)
2004 Pink Floyd - The Final Cut Re-Issue CD, incl. "When the Tigers Broke Free"

2007 Pink Floyd - Oh By The Way CD Box: Mini vinyl replica; remastered 2007
2011 Pink Floyd - Discovery CD Box: new packaging; remastered 2011
2011 Pink Floyd - A foot in the door CD; remastered 2011 (4:09)
2016 Pink Floyd - The Final Cut, Vinyl remaster 2016

Sonntag, 16. Oktober 2016

Flaming

Autor: Barrett
Dauer: 2:45
First release:  The Piper at the Gates of Dawn,  05. August 1967

Ich schicke mal voraus, dass Gilmour's "Find the cost of freedom" Version nicht in diesem Blog behandelt wird, da es sich um einen Crosby, Still & Nash Song handelt. 


Tower Records Promo Single in den USA.
So und nun zum eigentlichen Song dieses Eintrags: Flaming.
Flaming ist einer der poppigsten Songs des Pink Floyd Debutalbums "The Piper at the Gates of Dawn". Aus diesem Grund wurde es wohl auch von Tower Records in den USA als 7" Single veröffentlicht.
Flaming ist einer der Gründe wieso Syd Barrett's Songwriting oft als "naiv" und "fairy tale" also "märchenhaft" bezeichnet wird. Kindliche Themen und Melodien sind auch in diesem Song haufenweise vorhanden. Er singt von Einhörnern und schläft auf Löwenzahnblüten. Auch die Zeilen "yippie, you can't see me, but I can you" erinnern an ein Kinderspiel ("Ich seh etwas, was du nicht siehst").
Alternativer Cover-Shot für TPATGOD 
Natürlich sind hier die Bezüge zu Halluzinogenen Drogen offensichtlich, auch wenn dies nie von der Band bestätigt wurde. Passagen wie "lazing in the foggy dew, sitting on a unicorn" oder "hey ho, here we go, ever so high" sind hier wohl eindeutig.
Wie bekannt war Syd Barrett ein Konsument halluzinogener Drogen, was mit Sicherheit seinen psychischen Verfall, der sich bereits in ihm ausbreitete beschleunigte. Diese "Regression" in die Kindheit, welche er beim Eintritt ins Erwachsenenalter vollzog, wurde durch den Konsum von Halluzinogenen verstärkt und führte eben zu solchen "Vermischungen" von Märchenwelt und "erweitertem Bewusstsein".
Flaming ist übrigens ein Begriff, der auch für das Gefühl steht, welches entsteht, wenn man Halluzinogene Drogen wie LSD konsumiert, übersetzbar mit "innerem, aufgeregtem Brennen". 

Der Song beginnt musikalisch mit kuriosen "tierischen" Lauten, die von der Band selber produziert werden (am naheliegendsten war es Roger Waters, der dieses Talent auch in späteren Floyd-Alben nutzt). Der Song wird primär von der akustischen Gitarre getragen, wobei das Wright'sche Keyboard auch dominant im Mix zu hören ist. In der Mitte des Songs gibt es einen psychedelischen Ausflug, ähnlich jenem bei "See Emily Play". Der aufmerksame Hörer wird auch bemerken, dass sich Syd Barrett im letzten Refrain des Songs versingt, ein Fehler der sogar noch auf den Remasterten Versionen der letzten Jahre zu hören ist. 


Pink Floyd live 1968 im Französischen Fernsehen.

Die Singleversion in Fake-Stereo gelangte 1992 auf eine Compilation namens "A CD full of secrets" des Radiosenders Westwood One.

Der Song wurde live ein paarmal gespielt. Auch nach dem "Austritt" Syd Barretts aus der Band war das Lied im 1968 Teil des Live-Sets, wobei David Gilmour Gesang und Gitarre übernahm. 
In der Luxus-Box "The Early Years 1965-1972" sind 2 Fernsehauftritte mit David Gilmour in Frankreich im Jahr 1968 zu sehen. Ebenso ist die BBC-Session von 25.September 1967 mit Syd Barrett auf der Bonus-CD der Box zu finden.


Weitere Veröffentlichungen:

1967 Pink Floyd - Flaming / The Gnome; US 7" single.
1974 Pink Floyd - A Nice Pair 2LP: re-edition des Studio-Albums (mit ASOS)
Westwood One - Sampler 1992.
1992 Pink Floyd - A CD full of secrets (Rarities on Compact Disc, Vol. 10); Stereo US-Single-Version, CD
1992 Pink Floyd - The Piper at the Gates of Dawn CD: remastered & repackaged 1994

1997 Pink Floyd - The Piper at the Gates of Dawn 30th anniversary edition; mono  
2007 Pink Floyd - Oh By The Way CD Box: Mini vinyl replica (TPATGOD); remastered 2007
2007 Pink Floyd - The Piper at the Gates of Dawn 40th anniversary edition; mono & stereo remastered 2007
2011 Pink Floyd - Discovery CD Box: new packaging (TPATGOD); remastered 2011
2016 Pink Floyd - The Piper at the Gates of Dawn; remastered 2016 Vinyl Edition
2016 Pink Floyd - The Early Years 1965-1972 Box-Set; 1968 Germin/ation Live at Bouton Rouge, Paris(F) 20.02.1968. DVD/Bluray.
2016 Pink Floyd - The Early Years 1965-1972 Box-Set; 1968 Germin/ation Live at Tous En Scene, Paris(F) 21.10.1968. DVD/Bluray.
2016 Pink Floyd - The Early Years 1965-1972 Box-Set; Bonus Continu/ation Live at BBC Radio Session, (2:42) 25.09.1967. CD.
2016 Pink Floyd - The Early Years 1967-1972 Cre/ation 2CD; Live 25.09.1967 BBC Radio. 

Sonntag, 9. Oktober 2016

The Fish Report with a Beat

Autor: Waters
Video-EP
Dauer: 1:37
First release: Radio KAOS Video EP, VHS 1986


"The fish report with a beat" ist mehr ein Hörspiel als ein Lied. Es gehört zum Erzählstrang des thematisch recht komplexen Solokonzeptalbums "Radio KAOS" von Roger Waters das 1987 erschien.

Es ist die Geschichte von Billy, einem autistischen Jungen im Rollstuhl, der durch eine Metallplatte im Kopf Radiowellen empfangen kann und mit dieser Fähigkeit eine Atomkrise provozieren kann. Die Geschichte handelt jedoch auch von der Britischen Arbeiterklasse und den entrechteten Kohlenminen-Arbeitern, den orientierungslosen Jugendlichen und der Emigration der Briten in die USA. 
Rahmen bildet eine fiktive Radiostation namens Radio KAOS, dessen Radiomoderator Jim (Jim Ladd ist wirklich ein Radiomoderator) mit Billy kommuniziert. Deshalb sind die Songs immer wieder von Dialogen, die während der Radiosendung stattfinden durchzogen.
"The fish report with a beat" ist somit eigentlich ein Dialog zwischen zwei Radiosprechern:
Cynthia Fox und Pat Kelly, beide Radiomoderatoren im wirklichen Leben für den Sender KMET.
Inhaltlich handelt es sich um einen absurden Dialog in welchem von einer Sperma-Bank die Rede ist und wo Fische und deren Dimensionen mit männlichen Geschlechtsorganen verglichen werden:


DJ - Jim Ladd

Jim: It's time now for the Radio KAOS sports fishing program so let's go now to studio B and our own Burton L. Wildebeest... Burton?

Burton:Oh! Ladies and gentleman, the triumphant return of the fish report with a beat. Featuring Paraquat Kelly and his fishing companion Cynthia Fox.

Cynthia Fox: Ooh, Sieman's grotto sperm bank paying lots of interest to large deposits, penalties for early withdrawals though, reports 93 heat seeking wool probers, 85 red rock hard rock cod, 56 man sized love mussels, 22 tantalizing trouser trout, 35 naughty bits, and 77 throbbing tube steak turbo.

Paraquat Kelly: Marina dildo, 12 Venice anglers, now for the fish. 16 how-do-you-do-das, 7 rectal lobotomy cod, your shovel nose sturgeon, 2 bone eater, a wool labur, a gherkin jerger, your beef puppet, a vermin baj snapper, and my favorite; the rump ranger.

Cynthia Fox: Oh my oh my. Port San Louie home of those ever popular whale sized boners reports 999 fine whammin' jammin salmon, 42 perverted perch, 15 throat oysters, 12 air biscuits, 65 lusty lump suckers, 33 chastity belt smelts, a school of grunt clusters, and one very large variable speed vibrating halibut plug.

Paraquat Kelly: Mmmmm, grunt clusters, my favorite. And that'll do it for this edition of the fish report with a beat

(several / all): in stereo.

Jingle: K A O S radio

Jim: We think of it as main street, but to the rest of the country it's Sunset Strip. You're listening to KAOS in Los Angeles



De facto schaffte es dieser Dialog nicht aufs Album wurde aber im Kurzfilm zum Album eingebaut, wobei die beiden Radiomoderatoren auch während ihrer Sendung zu sehen sind.  Musikalisch wird es lediglich von einem Gitarrenakkord untermalt, der wahrscheinlich von Andy Fairweather Low eingespielt wurde, der damals Teil der Bleeding Heart Band war.
Der Dialog endet mit dem Intro des Songs "Sunset Strip" und dürfte somit vom Erzählstrang her dort seinen inhaltlichen Platz haben.
Das Thema der Fische wird später auf dem Album vor dem Song "Home" wieder aufgegriffen.

In den Live-Shows der Radio-KAOS-Tour 1987 wurde der Dialog auch eingebaut. Der Film ist nie auf DVD erschienen.


Montag, 3. Oktober 2016

Finding George Henry

Autor: Waters
Dauer: 1:49
First release: Roger Waters - The Wall Super Deluxe Edition, LP, April 2016

Filmausschnitt

Ein weiterer Exklusiv-Track der Super Deluxe Edition, welche Roger Waters im Rahmen seines Roger Waters - The Wall Films extra mit Orchester aufgenommen hatte. 
Wie bereits erwähnt ist der 22-minütige Soundtrack NUR in der Super Deluxe Edition erhältlich und zwar auf einer einseitig bespielten Vinyl-Platte.
Generell handelt es sich um Variationen der bekannten Song-Melodien. In diesem Fall jedoch sind auch kurze Dialog-Ausschnitte des Films eingebaut und der musikalische Teil beschränkt sich lediglich auf ein einsames Cello, das vor sich hin "doomed", sowie einen sehr gruseligen tiefstimmigen Chor in den ersten 30 Sekunden des Tracks, der ein bisschen an Atom Heart Mother erinnert. Die Melodie erkannte nicht.

George Henry war Roger Waters Großvater, der im 1. WK ums Leben kam und in einem Kriegerfriedhof in Frankreich bestattet ist. Im Film sieht man Roger Waters mit seinen Kindern die letzte Ruhestätte des Großvaters besuchen. 
Der gesprochene Text bezieht sich auf eine Filmszene, in welcher Rogers Jugendfreund Willa Rawlinson bemerkt:

"so that's two wars that took away even the direct memories of the fathers to the sons."

v.l.: India, Harry, Roger und Jack Waters am Grab von George Henry
Es gibt keine Veröffentlichung des Scores ausserhalb dieser Deluxe-Box.

Mittwoch, 28. September 2016

The Final Cut

Autor: Waters
Dauer: 4:46
First release: The Final Cut,   21. März 1983


Der Titelsong des letzten "wahren" Pink Floyd Albums, oder der Titelsong des ersten "wahren" Roger Waters Solo-Albums? 
Was ursprünglich als Soundtrack-Album des Films The Wall (böse Stimmen reden von "Resteverwertung") geplant war, wurde letztendlich doch zu einem eigenständigen Album. Einerseits Dank des Einsatzes von Margareth Thatcher auf den Falkland-Inseln, andererseits Dank des zwanghaften Anti-Kriegs-Botschafters Roger Waters. 
De Facto steht auf dem Albumcover: 

"A requiem for the post war dream by Roger Waters performed by Pink Floyd"


Wie weithin bekannt, waren Pink Floyd während der Aufnahmen zu The Final Cut bereits heillos zerstritten. Während der Aufnahmen zu The Wall wurde Rick Wright gefeuert und Gilmour war mit der musikalisch/textlich/politischen Ausrichtung des Materials nicht einverstanden. 
Während Gilmour auf The Wall noch die Arrangements und musikalische Direktion innehatte, vertraute sich Waters bei diesem Album komplett Michael Kamen an, mit dem er das Album co-produzierte. Gilmour und Mason kamen lediglich manchmal "vorbei" um ihre Parts einzuspielen.
Trotzdem hinterlässt Gilmour auf dem Titeltrack im Gitarrensolo ganz klar seinen Stempel. 

Der Song The Final Cut erinnert an Comfortably Numb, was wohl auch daran liegt, dass die selben Orchesterarrangements verwendet wurden. Selbst-Plagiat? Man erinnere sich, dass "Anisina" vom 2014 PF-Album "The Endless River" nochmal dieselben Arrangements verwendet. Auch "In any Tongue" aus dem 2015 Solo-Werk Gilmours "Rattle that lock" wurde stark am Erfolgssong Comfortably Numb angelehnt.

Waters mit  Filmrolle und Messer im Rücken
Der Song- bzw. Album-Titel hat mehrere Bedeutungen. The Final Cut wird in der Filmbranche der letzte Schnitt des Films genannt und ursprünglich sollte das Album ja das Soundtrack-Album zum Film "The Wall" werden. Kurioserweise wurde auf dem Backcover ein Mann abgebildet, der eine Filmrolle unter dem Arm trägt und ein Messer im Rücken hat. Dies soll angeblich eine Anspielung an Alan Parker sein, mit dem es bei den Filmaufnahmen (Parker ist der Regisseur) zu Auseinandersetzungen kam.

Eine andere Bedeutung für den Titel kommt von der Handlung bzw. dem Text des Songs. Das Konzept des Albums "The Final Cut" dreht sich ja um die Rückkehr eines Kriegsveteranen, und dessen Folgen. Der Song "The Final Cut" beschreibt die Gedanken, die den Protagonisten (es handelt sich um den Lehrer aus dem Film The Wall) zum Selbstmordversuch treiben (eben dem "letzten Schnitt"), der aber kurz vorher durch einen Telefonanruf unterbrochen wird:


I held the blade in trembling hands
Prepared to make it but
just then the phone rang
I never had the nerve to make the final cut

Dass der Song bereits für "The Wall" geschrieben wurde, zeigen auch einige Textzeilen, die klar auf den Handlungsstrang von The Wall verweisen. 

And if you make it
past the shotgun in the hall
Dial the combination,
Open the priesthole
And if I’m in I’ll tell you
what’s behind the wall

Interessanterweise wurde der Song so produziert, dass die letzte Zeile "what's behind the wall" nicht hörbar ist, da sie von einem Knall (Schuss?) übertönt wird. Dies wohl auch um direkte Verbindungen zum Album "The Wall" nicht zu deutlich zum machen. Es zirkuliert eine Demo-Version in Sammlerkreisen, bei welchem die Textzeile nicht überdeckt wird.
Im Handlungsstrang des Films wäre das Lied kurz vor "Comfortably Numb" gereiht gewesen und hätte einen gewissen "Flashback" dargestellt, allerdings baute Roger Waters wohl auch aktuelle und persönliche Themen wie Scheidung in den Text ein:

And if I open my heart to you
And show you my weak side
What would you do
Would you sell your story to Rolling Stone
Would you take the children away
And leave me alone

Filmausschnitt aus "The Final Cut" Video EP

Das Lied wurde niemals live aufgeführt und findet sich auch auf keiner Sammlung. In den USA wurde eine Maxi-Single von "Your possible pasts" als Promo veröffentlicht, welche "The Final Cut" auf der B-Seite hatte. Ebenso liess Roger Waters von 4 der Album-Songs eine Video-EP drehen. Regie führte sein damaliger Schwager Willie Christie, der auch für die Cover-Fotos verantwortlich war. Das Lied The Final Cut wurde hier von Rüstungsfilmen der Weltkriege in Schwarzweiss untermalt.
Auf dem weithin unterschätzten Album sticht unser Lied hier auch mit einem von nur 3 Gitarrensoli von David Gilmour auf dem gesamten Album positiv hervor.

Weitere Veröffentlichungen: 
1983 Pink Floyd - The Final Cut Video EP, VHS
1983 Pink Floyd - Your possible pasts / The final cut Promo 12"
2004 Pink Floyd - The Final Cut Re-Issue CD, incl. "When the Tigers Broke Free"
2007 Pink Floyd - Oh By The Way CD Box: Mini vinyl replica; remastered 2007
2011 Pink Floyd - Discovery CD Box: new packaging; remastered 2011 (4:43)
2016 Pink Floyd - The Final Cut, Vinyl remaster 2016

Mittwoch, 21. September 2016

Feel

Autor: Barrett
Dauer: 2:18
First release: Syd Barrett - The Madcap Laughs, 3. Januar 1970



Albumcover des ersten Solo-Albums 1970
Feel ist einer der drei gemeinsam gereihten Songs "She took a long cold look", "Feel" und "If it's in  you" des Solo-Debüts "The Madcap Laughs" von Syd Barrett. Wie die anderen beiden Lieder wurde "Feel" am 26. Juli 1969 bei einer Session mit den beiden Produzenten David Gilmour und Roger Waters aus einer Band namens Pink Floyd aufgenommen. Die war die letzte Aufnahmesession für das Album und gleichzeitig die Erste bei der Roger Waters teilnahm. 
Feel war dabei der einzige der drei Songs, der nur ein einziges mal gespielt wurde und ohne Overdubs in das Album integriert wurde.

Malcolm Jones, Syd Barrett's Manager, schrieb am 29.09.1969 folgendes "Internal Memorandum" an einen Herrn Mr. D. Cobley (wahrscheinlich der Schnittmeister):


"Tracks 4, 5 & 6 on side two of the above LP are all indented to run together, but I would appreciate it if, when cutting, you could arrange for "live" rills to be positioned between the individual songs. 

Ideally the rill should come a split second before the first take announcement, so that each band includes the initial announcement and the song itself...."

Die Wahl die drei Songs in das Album zu inkludieren wurde oft als "unethisch" kritisiert und David Gilmour selbst zweifelte of an dieser Entscheidung, auch wenn er sich dafür entschied die beiden anderen Songs der Trilogie auf der Compilation "An Introduction to Syd Barrett" 2010 zu wiederveröffentlichen. 
Die Kritik basiert auf der Tatsache, dass die Aufnahme zweifelsohne von einem psychisch bereits sehr kranken Syd Barrett stammen, und er Schwierigkeiten hat Rhythmus und Melodie zu halten. Doch hauptsächlich wurde hier der psychische Zerfall des Künstlers einfach auf voyeuristische Weise öffentlich gemacht, was sehr traurig stimmt. Die von Malcolm Jones auf dem finalen Album verlangten Studiodialoge verstärken das nur noch. 


"You feel me, away far too empty, oh so alone, 
I want to go home... " 

singt Barrett in dem Song und sagt damit eigentlich alles aus, was der Hörer wissen muss.


Ein Foto von Mick Rock aus der Cover-Session


Weitere Veröffentlichungen:
1974 Syd Barrett LP (incl. The Madcap Laugs und Barrett)
1992 The Madcap Laughs - Mick Rock Photo Session Box CD.
1993 Crazy Diamond - CD Box. The Madcap Laughs remastered & repackaged 1993.
2010 Syd Barrett - The Madcap Laughs Vinyl Remaster 2010

Freitag, 9. September 2016

Fearless

Autoren: Waters, Gilmour
Dauer: 6:08
First release: Meddle, 30. Oktober 1971


7" Cover "One of these days/Fearless" Italien
Fearless ist ein psychedelic Folksong vom Feinsten, der mit einem tollen Gitarrensound und Gitarrenriff daherkommt. Rhythmusgitarre übrigens von Roger Waters gespielt. Der Sound ist typisch für die damalige Floyd-Zeit, hat er doch was psychedelisches, ein paar Gitarrensounds a là Zabriskie Point und ist gleichzeitig eine radio-taugliche Komposition. Pink Floyd selbst haben den Song leider nie live gespielt, aber in den letzten Jahren wurde der Song von mehreren Neo-Folk-Bands (z.B. Gov't Mule) gecovert.
Auch hier zeigt sich wieder wie schön Waters und Gilmour harmonierten, wenn sie gemeinsam zur Feder griffen, in diesem Sinne ist Fearless die natürliche Weiterführung des Songs "A pillow of Winds" der auf dem Album vorangeht. 
Bekanntlich ist Meddle ja die Blaupause für das Erfolgsalbum The Dark Side of The Moon, und dies zeigt sich hier deutlich im hervorragenden Text von Roger Waters, der auch hier schon soziale und zwischenmenschliche Themen sowie Angst und Wahnsinn beschreibt. Der Text wirkt wie ein Dialog zwischen einem buddhistischen Lehrer und seinem Schüler, der nach Antworten sucht. 
Label B-Seite der USA Promo-Single "One of these days"

Der Song wurde als B-Seite der Single "One of these days" verwendet, die am 29. November 1971 in USA und Canada erschien. 1972 dann auch in Italien. 
Ausserdem schaffte es das Lied auf die Capitol Compilation "Works", die 1983 in USA erschien.


Interpolating "You'll Never Walk Alone":

Das wahre Kuriosum an diesem Track ist allerdings die Verwendung eines Fussball-Stadion-Gesangs im Track, der mit seinem Text "...walk on, with hope in your heart, and you'll never walk alone" beinahe wie  Ergänzung des Liedtextes von Roger Waters wirkt.
Das hier vom Liverpool Fanchor "The Kop Choir" gesungene und während eines Spiels aufgenommene Lied "You'll never walk alone" wurde von Rodgers-Hammerstein für das Musical Carousel im Jahr 1945 komponiert (es gibt auch eine Verfilmung des Musicals aus dem Jahr 1956). In den 60er Jahren wurde der Song vom Fanclub des Fussballclubs Liverpool als Hymne übernommen und wird bis heute verwendet. 
Bekannterweise waren Pink Floyd grosse Fussballfreaks und somit ist die Wahl diese durch Stereoeffekt verzerrte Aufnahme in den Song einzubauen wohl leicht gefallen.


Shine on Box Grafik 1992
Nick Mason sagte in einem Interview an Radio KPPC-FM in Pasadena am 16. Oktober 1971:

" Es ist der Fan Club von Liverpool. Wenn du was von Englischem Fussball verstehst solltest du das wissen, si nennen sich "The Kop Choir" und hören während des gesamten Spiels nicht auf zu singen. Das live mitzuerleben ist ist viel großartiger als man sich das auf einer Aufnahme vorstellen kann, da man sich einfach nicht vorstellen kann wieviel Lärm die machen! Wir können mit Sicherheit mit einem 100.000 Stimmen starken Chor nicht mithalten. Es ist unglaublich! Ein Kampf zwischen Giganten wäre leiser!"




Roger Waters spielte den Song erstmals auf seinen 5 Daten The Best of Pink Floyd - Tournee 2016 live. Diese fanden am 28., 29.09. und 01.10. in Mexico City statt, sowie 2 Daten beim Desert Rock Festival in Kalifornien am 9.10. und 16.10.2016.

Nick Mason's Saucerful of Secrets brachten den Song 2018 auch auf Tour.

Weitere Veröffentlichungen: 
1971 / 1972 Pink Floyd - One of these days / Fearless; 7" Single.

1983 Pink Floyd - Works; LP.
1992 Pink Floyd - Shine On CD Box: remastered 1992 
1992 Pink Floyd - Meddle CD: remastered & repackaged 1992
2007 Pink Floyd - Oh By The Way CD Box: Mini vinyl replica; remastered 2007
2011 Pink Floyd - Discovery CD Box: new packaging; remastered 2011

2016 Pink Floyd - Meddle LP Vinyl remaster 2016.
2020 Nick Mason's Saucerful of Secrets - Live at the Roundhouse 2CD;Bluray; Vinyl (5:02)