Dienstag, 27. Dezember 2016

Gigolo Aunt

Autor: Barrett
Dauer: 5:46 (take 15, recorded 27 February 1970)
First release:  Syd Barrett - Barrett,  14. November 1970
Mick Rock Fotosession
Die erste Aufnahme von Gigolo Aunt fand in den BBC Studios am 24. Februar 1970 statt, also ganze 3 Tage vor dem Beginn der Aufnahmen des 2. Barrett-Albums "Barrett".
Gelegenheit dazu ergab sich durch Syd Barrett's erste Solo-Radio-Session bei John Peel's "Top Gear". Bei der Gelegenheit wurden auch Terrapin, Baby Limonade, Two of a kind und Effervescing Elephant aufgenommen. Das komplette Set wurde 1987 als "The Peel Sessions" und 2004 als "The Radio One Sessions" veröffentlicht. An den Aufnahmen waren David Gilmour (Bass & Keyboards) und Jerry Shirley (Drums) beteiligt. Die Version ist etwas sparsamer instrumentiert als jene, die auf dem Album landete. Lediglich akustische Gitarre und Percussions begleiten den Song. Man kann allerdings sehr gut Barrett's typisches E-Gitarrenspiel im Solo hören.
Am 27. Februar hingegen wurden 15 (!) Takes von einem Track namens "Jigalo Aunt" für das 2. Syd Barrett Solo-Album namens "Barrett" aufgenommen. Angeblich wurde der Song live eingespielt. Take 9 der Live-Performance der 4 Musiker im Studio landete als Bonus Track auf dem 1993 Box-Set "Crazy Diamond", das beinahe parallel zum Pink Floyd Box-Set "Shine On" erschien. Take 9 ist etwas kürzer (weniger Gitarrensoli) und Barrett hat offenbar grössere Schwierigkeiten Rhythmus und Gesangsmelodie zu halten.

Peel Sessions - EP 1987
Aunt ist ebenso einer jener wenigen Barrett Songs, die dieser auch bei seinen wenigen Konzerten zu Beginn der 70er spielte. Ausserdem ist er auf jeder Syd Barrett Compilation vertreten. Dies liegt wohl daran, dass es eine der zugänglichsten und poppigsten Barrett-Kompositionen der späteren Jahre ist. Ebenso auch tanzbar. Zur Studiolive-Aufnahme wurden nur einige wenige Overdubs hinzugefügt. Hörbar auch das typische Keyboard von Rick Wright. Der Song endet mit einem interessanten Percussions-Effekt, der wahrscheinlich auch erst als Overdub hinzugefügt wurde.

Wouldn't you miss me? 2001
An introduction to... 2010




Produziert wurde das Ganze von Roger Waters und David Gilmour.






Weitere Veröffentlichungen: 
1974 Syd Barrett 2LP (re-issue of The Madcap Laughs & Barrett)

1987 The Peel Sessions EP; live John Peel Show, 24. Februar 1970 (3:35)
1993 Crazy Diamond Box remastered 1993; "Opel" remastered 1993; take 9 (4:02)
2001 Wouldn't you miss me - The Best of Syd Barrett; remastered 2001
2004 The Radio One Sessions CD; live John Peel Show, 24. Februar 1970 (3:42)
2010 An Introduction to Syd Barrett; remastered 2010
2010 Barrett; remastered 2010
2014 Barrett; vinyl re-issue remastered 2010.

Freitag, 23. Dezember 2016

Get your filthy hands off my desert

Autor: Waters
Dauer: 1:17
First releaseThe Final Cut,   21. März 1983

Hier haben wir ein 1-minütiges Zwischenspiel, das lediglich von Waters' Stimme und dem National Philharmonic Orchestra begleitet wird. Das Ganze wurde von Michael Kamen arrangiert, der auf The Final Cut in etwa die Rolle von Richard Wright eingenommen hatte und zusätzlich für die Orchester-Arrangements verantwortlich war. Somit auch hier eine Weiterführung der Zusammenarbeit seit dem The Wall Album/Film.



Eingeleitet wird dieses Stück Kammermusik-Klassik von dem Einschlag einer Bombe, der einem die Wunder des "Holophonic Sound" vor Ohren führt. Dieses, von einem Mann namens Zuccarelli erfundenen Aufnahmesystem, ermöglicht es einen räumlichen Klang mit nur 2 Stereo-Boxen zu erzeugen, damals sehr revolutionär (wurde auch auf "Radio KAOS" und  "Amused to Death" verwendet.)  
Noch vor der Bombe hört man 2 Soldaten von einem Schützengraben zum anderen rufen (beide von Roger Waters interpretiert) deren Konversation eben abrupt unterbrochen wird. Irgendwie erinnert dieses Mini-Hörspiel an die Szene von The Wall als "Pink"'s Vater von einer Fliegerbombe getroffen wird ("In the flesh?").

Textlich hat hingegen Waters gegen so ziemlich alle damaligen Politiker was in petto: Thatcher und Reagan, Brezhnew und die Japaner und letztlich sogar gegen die englische Gesellschaft im Allgemeinen. Auch hier bezieht sich Waters auf sehr damals aktuelle (und heute vergessene) politische Ereignisse:
- Die russische Invasion in Afghanistan 1979
- Die israelische Okkupation im Libanon 1982
- Der argentinische Angriff auf die Falklandinseln 1982, der mit der Versenkung eines argentinischen Kreuzers durch ein britisches Atom-U-Boot endete.

Der Song geht auf dem Album direkt in The Fletcher Memorial Home über.

1999-2002 war der Mini-Song fixer Bestandteil der In the Flesh Tour und leitete den Song "Southampton Dock" ein. Allerdings kam das Orchester vom Band. Leider wirkt das Stück durch seinen spezifisch politischen Bezug etwas datiert und hat textlich sehr viel an seiner Message verloren. Dennoch wurde der Song auf dem Live-Album und Film der Tour veröffentlicht.

Roger Waters ca. 1983

Weitere Veröffentlichungen: 
2002 Roger Waters - In the flesh live DVD live 27. Juni 2000 Oregon, USA (0:57)
2004 Pink Floyd - The Final Cut Re-Issue CD, inkl. "When the Tigers Broke Free"
2006 Roger Waters - In the Flesh live 2CD&DVD re-edition
2007 Pink Floyd - Oh By The Way CD Box: Mini vinyl replica; remastered 2007
2010 Roger Waters - The Roger Waters Collection Box (In the Flesh 2CD& DVD)
2011 Pink Floyd - Discovery CD Box: new packaging; remastered 2011
2016 Pink Floyd - The Final Cut, Vinyl remaster 2016 incl. "When the Tigers Broke Free"

Montag, 19. Dezember 2016

Get back to radio

Autor: Waters
Dauer: 4:42
First releaseThe Tide is Turning (after live aid) 12" 1986
12" Single mit B-Seiten Money (live)/Get back to radio

Roger Waters begann 1985 an einem neuen Studioalbum zu arbeiten. Get back to Radio war der erste Song, den er für das neue Konzept "Radio KAOS" schrieb. Getrieben von Nostalgie zum Radio, welches durch MTV zu jener Zeit in den Hintergrund getrieben wurde, schreibt Waters ein Lied, das stilistisch und produktionstechnisch einen Bruch mit der Vergangenheit darstellt. Bewusst "modern" produziert, ist diese Aufnahme wegweisend für die kommenden beiden Solo-Alben. Co-produziert von Ian Ritchie und Nick Griffiths war die Produktion sehr 80er lastig.
Zeitgleich schreibt Waters die Songs zu "When the wind blows", was zu kuriosen Parallelen führt. Beispielsweise endet der Song "Folded Flags" mit dem Morse-Code, mit dem Radio KAOS beginnt.

Get back to Radio schafft es dann allerdings nicht auf das fertige Album, wie Molly's Song und Going to live in LA. Allesamt werden als Single-B-Seiten veröffentlicht, auch wenn sie zum Konzept gehören, welches Radio KAOS behandelt.
Eingespielt wurde der Song mit dem gleichen Bleeding Heart Band Line-Up wie When the wind blows. Das Saxophonsolo ist von Ian Ritchie. Ansonsten ist der Track sehr langsam und etwas eintönig.

Der Song enthält die Zeile "God bless Bob Geldof", der sich wahrscheinlich auch auf das Live Aid Festival bezieht, zu welchem Roger Waters bekanntlich nicht eingeladen wurde. Waters war deshalb beleidigt. Wohl auch weil David Gilmour mit Bryan Ferry als einziger Floyd auf dem Festival auftrat. Auch einer der Gründe, die Roger Waters dazu brachten The Wall in Berlin als Benefizveranstaltung mit AllStar-LineUp aufzuziehen. Ein weiterer Song der Bezug auf Live Aid nimmt ist The Tide is turning (after Live Aid), ebenfalls von Radio KAOS.

Roger Waters lief zu jener Zeit immer mit Sonnenbrille rum

Bob Geldof hat das Schicksal von Pink Floyd seit dem Film The Wall, in welchem er Pink interpretierte, immer wieder gekreuzt. 2002 sang er mit David Gilmour Comfortably Numb (auf dessen In Concert DVD zu sehen).  2005 war er auch für die Pink Floyd Wiedervereinigung zum Live 8 Festival verantwortlich. 

Get back to radio wurde niemals live vorgetragen.

Freitag, 9. Dezember 2016

Funky Deux

AutorWright
Dauer: 4:57
First releaseWet Dream, 15. September 1978


Rick Wright doing Fictitious Sports...

Weiteres gelungenes Funk-Instrumental mit tollem Slap-Bass, gespielt von Larry Steele. Hinzu gesellt sich dann Hammondorgel und Synths. Ein tolles langes Sax-Solo von Mel Collins. Danach folgt damaliger Pink Floyd Tour-Gitarrist Snowy White mit der Gitarre. Es gibt keine Informationen über den Titel. Beinahe alle anderen Titel des Albums Wet Dream haben einen Bezug zum Wasser. Funky Deux erinnert mich einerseits an Poker, aber andererseits könnte es sich auch einfach um eine Anspielung auf die Metrik des Liedes handeln.

Es handelt sich um die Album-Abschluss-Nummer des Solo-Debuts "Wet Dream". Leider wurde das 1978 erschienene Album auf dem Markt kaum wahrgenommen, aber Rick Wright meinte dazu lakonisch:" Doing this album has helped me get back my creative energies for the next Floyd thing."


japanische Edition

Weitere Veröffentlichungen: 
1993 Richard Wright - Wet Dream: CD (USA)
2008 Richard Wright - Wet Dream: CD (Australia)


Freitag, 2. Dezember 2016

Free Four

AutorenWaters
Dauer: 4:11
First releaseObscured by Clouds, 02. Juni 1972


Der Waters-Song "Free Four" für den Soundtrack Obscured by Clouds des Films "La Valleè" des Regisseurs Barbet Schröder ("More") ist ein ungewohnt fröhlicher, tanzbarer Americana-Style-Song.

Bekannterweise wurde der Soundtrack innerhalb 2 Wochen in Frankreich geschrieben, aufgenommen und produziert und das Ganze ca. 6 Monate vor der Veröffentlichung des Überhammer-Albums "The Dark Side of The Moon".
Der Song wurde als Single in den Usa ausgekoppelt und bescherte den Floyds tatsächlich deren ersten Chart-Eintrag in den Usa. B-Seite war "The Gold it's in the..." aber in einigen Ländern wurde "Stay" (Italien) oder "Absolutely Curtains" (Japan) als B-Seite verwendet.

Das Lied wird mit einem "one two free four" eingezählt und ist für Pink Floyd - Verhältnisse wie bereits oben erwähnt ein sehr positives tanzbares Lied. Zumindest was die Melodie anbelangt, denn textlich lässt Waters wieder mal seinen Zynismus von der Leine.
Er lässt einen alten kranken Mann über sein Leben sinnieren, sieht den zukünftigen Erfolg seiner Band voraus "so all aboard for the American Tour, and maybe you make it to the top" indem er ebenso seine Kritik am Musikbusiness wieder laut werden lässt (siehe Cymbaline oder Have a Cigar).
Aber der wohl wichtigste Bezug auf Roger Waters Songwriting sind wohl die Zeilen, bei denen er sich erstmals explizit zum Tod seines Vater im Krieg äussert. Vorher hatte er lediglich in Corporal Clegg einmal generell seine Anti-Kriegshaltung zum Ausdruck gebracht.
Hier jedoch wird's persönlich:


You are the angel of death
And I am the dead man's son.
And he was buried like a mole in a fox hole.
And everyone is still in the run.


Diese Thematik wird er für den Rest seiner Karriere immer wieder herauskehren und für Selbstheilungszwecke verarbeiten.

Musikalisch sind alle 4 Floyds leidenschaftlich am Werk und Gilmour liefert ein paar rockige Gitarrensoli in der Mitte und am Ende des Songs. 
Der Song schaffte es auch 1983 auf die amerikanische Compilation "Works". 
2016 erschien das komplette Soundtrackalbum im Rahmen der "The Early Years 1965-1972 Box" in frischem Remix, wobei erstmals ein viel tieferes Soundspektrum herauszuhören ist

Weitere Veröffentlichungen: 
1972 Barbet Schroeder's La Valleè (France; 100 Minuten): film version 
(ab 2003 released auf verschiedenen DVD Editionen)
1972 Pink Floyd - Free Four / The gold it's in the.... 7" 
1983 Pink Floyd - Works LP
1995 Pink Floyd - Obscured by Clouds CD: remastered & repackaged 1995
2007 Pink Floyd - Oh By The Way CD Box: Mini vinyl replica; remastered 2007
2011 Pink Floyd - Discovery CD Box: new packaging; remastered 2011

2016 Pink Floyd - Cre/ation 1967-1972 CD.
2016 Pink Floyd - The Early Years - 1972 Obfusc/ation CD1, remixed 2016